Unser Auto war lange Zeit ein Kack-Telefon, das wöchentlich zwischen Wien und Kärnten Territorialnachrichten transportierte. Die Marder hinterließen ihre Losung mit Vorliebe ganz oben neben der Radio-Antenne. Sowohl die großstädtischen Marder als auch ihre Kärntner Artgenossen beanspruchten den Wagen offensichtlich als Teil ihres Territoriums und reagierten zuverlässig auf die Botschaften ihres weit weg hausenden Gegenübers.
Gesehen habe ich die Tiere nur sehr selten und dann auch nur als schemenhafte Schatten in der Nacht. Diese Scheu ist durchaus vernünftig, denn die Tiere stehen im Verdacht, Autokabel durchzunagen und werden von der Landbevölkerung manchmal noch traditionell erschlagen. Unser Auto hatte nie Beschädigungen zu beklagen, wenn man von den Hinterlassenschaften am Dach absieht.
Mittlerweile hat man uns die Koralm untertunnelt und der Zug braucht für die Strecke nicht mehr viel länger als das Auto, weshalb dieses steht und die Marder andere Wege zur Kommunikation benützen müssen. Nachweisen kann ich ihre Präsenz aber immer noch, vor allem wenn es frisch geschneit hat. Zwischen all den Katzenspuren findet sich dann immer auch ein Abdruck wie dieser:

Von der Größe her unterscheiden sich die Pfoten kaum, und doch erkennt man gleich, dass der obere Abdruck nicht von Nachbars Katze stammt, der untere aber schon.

Wer eine Katze hat, der weiß, dass der fünfte Ballen weiter hinten sitzt, den anderen vier gegenüber, und dass er wegen der erhöhten Position keinen Abdruck hinterlässt. Will die Katze fünf Zehen in den Schnee zeichnen, muss sie zweimal auf die gleiche Stelle treten, was übrigens überraschend oft vorkommt.
Im Normalfall herrscht auch bei Schneefall in der Nacht reger Betrieb, und sobald in der Früh die Vögel zur Futtersuche kommen, ist sowieso Chaos, weshalb man Glück braucht, um einzelne, saubere Abdrücke zu finden. Die folgende Stelle gleicht mehr einem Suchbild:

Die Zehenballen des Marders sind auch nie so schön rund wie bei der Katze. Er kann seine Krallen nicht einziehen und das sieht man oft als kleinen zusätzlichen Punkt vor der Zehe. Das könnte dann auch auf einen kleinen Hund hinweisen, aber auch der hätte nur vier Zehen, nicht fünf.

So hat der Schnee auch sein Gutes, denn ganz ohne Spuren zu hinterlassen, kann auch der scheue Marder nicht durch den Garten laufen. Und wenn es mir vom Schneeschaufeln in der Früh nicht das Kreuz abgerissen hat, nehme ich mir ein bisschen Zeit, um mit gesenktem Blick herumzulaufen und bis fünf zu zählen.
Literaturtipp: Ulrike Fokken, Stefanie Argow: Spuren lesen. Geschichten, die uns die Fährten der Tiere erzählen. – Köln 2020
👣🐾
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😉
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Thanks for sharing. We have Martens here too, of course.
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Thank you for your comment. I saw one marten last autumn on the shed roof. I saw another one some years ago on the car. But I found the tracks shown in the photos yesterday and I saw other tracks one week ago. So I think we have at least one marten that visits our garden regularly. But without a camera trap, I know you have one, it’s hardly possible to notice them. That’s why I shared these tracks. I really like them. You can even see which one is from a right paw and which from a left.
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Yes, I have a few photos I my camera trap. I will share them some day. 😊 I like your photos, theyare clear.
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Thank you!
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In meinem Garten sind momentan nur Katzen und Vögel unterwegs. Bei Spaziergängen finde ich dank des Schnees aber auch Spuren von Rehen und neulich sogar von einem Fasan!
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Ja, der Winter ist auch bei uns eine Zeit, wo die Fauna ruht. Die üblichen Singvögel an der Futterstelle und Nachbars Katzen sind alles, was auffällt. Umso mehr freut man sich dann über Spuren, die nicht zur Katze passen, auch wenn sie unter den Katzentappern gezielt suchen muss.
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Hat Spaß gemacht, darüber zu lesen! Und wie immer schön mit deinen Fotos dokumentiert 🙂
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Danke!
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Interessant für Spurensucher.
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Ja, manche Arten sind so zurückgezogen, dass man in erster Linie die Spuren zu Gesicht bekommt.
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