Ein Frühaufsteher

Der folgende Käfer lag gestern, am 19. April, im Garten auf dem Rücken. Wir waren beide etwas verwirrt.

Einen Maikäfer habe ich hier noch nie gesehen, und Mitte April ist es für ihn wahrscheinlich auch etwas zu früh. Wenn er sich auf den Klimawandel verlassen hat, dann hat er sich dieses Jahr geirrt. Der Frühling war bislang nicht allzu warm, die Kirschblüte beginnt bei uns gerade erst, und von Mailuft sind wir noch etwas entfernt.

Von den drei Jahren, die so ein Tier lebt, verbringt es nur vier bis sechs Wochen als fertiges Insekt. In dieser Zeit muss es sich vermehren und vor Fressfeinden schützen, denn die großen Käfer sind ein beliebtes Futter. Man kann sie roh, kandiert und als Suppe genießen – oder man lässt sie den tierischen Abnehmern.

Die Maikäfer haben eine interessante Strategie gegen ihre Fressfeinde entwickelt: Sie treten periodisch in Massen auf. Das hat relativ lange gut funktioniert, bis das DDT entwickelt wurde. Ich vermute, die Suppe war nicht schmackhaft genug, sonst hätte man die Hauptzutat kaum vom Flugzeug aus mit Gift besprüht.

Das Einzelexemplar in unserem Garten wird aber hauptsächlich damit Probleme haben, einen Partner zu finden, denn viele Maikäfer gibt es in unserer Gegend wohl nicht.

10 Kommentare zu „Ein Frühaufsteher

  1. Vielleicht vom Winde verweht, oder mit einem Auto mitgereist – aber ein tragisches Schicksal dann, wenn er als Solist endet. Bei uns gibt es grundsätzlich welche, voriges Jahr auch im Garten, aber es wäre, trotz Klimawandel, noch etwas zu früh für ihr Erscheinen, das Laub ist bei uns noch zu klein.

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    1. Irgend so ein widriger Umstand wird ihn herbeigeweht haben. An die mannigfaltigen Transportmöglichkeiten des Osterreiseverkehrs habe ich gar nicht gedacht, aber das wäre eine Erklärung. Er wird wohl tragisch enden, fürchte ich.

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    1. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. 😉 Im vorliegenden Fall müsste es übrigens ein Bräutigam sein, glaube ich, aber genau möchte ich mich bei der Geschlechtsbestimmung nicht festlegen.

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  2. Hab bei uns schon seit langem keine Maikäfer mehr gesehen und kann mich zumindest an viele dieser so hübschen Käfer während meiner Kindheit erinnern.
    Liebe Grüße und Frohe Ostern!☀️🍀⚘️

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    1. Es soll in manchen Regionen wieder Massenauftreten geben, aber ich kenne diese Käfer nur als sehr selten. In Wien habe ich schon ein paar gesehen, aber hier in Kärnten war das der erste.
      Liebe Grüße und auch dir Frohe Ostern!

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    1. Natürlich kann man dem einzelnen Käfer eine Partnerin bzw. in diesem Fall wahrscheinlich der Käferin einen Partner wünschen. Sollte sich dann eine Plage entwickeln, wünscht man sich halt das Gegenteil. 😉 In der Natur ist ja ein gewisses Hinundher normal.

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  3. Oh, dann wünsche ich der Käferdame, dass sie nicht allein verreist ist.

    Zudem wünsche ich, dass sie in keiner Suppe landet – fürchterlich!! Müssen Menschen eigentlich alles essen?!

    Mit veganen Grüßen,

    Syntaxia

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    1. Naja, das sind wenigstens Proteine, für die man keine zusätzlichen Ressourcen verschwenden muss. Rein rational finde ich das o.k., es macht die Suppe allerdings nicht vielversprechender.

      Liebe Grüße
      Richard

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