Die grüne Reiswanze

Bislang waren einfärbig grüne Wanzen bei uns im Garten immer Stinkwanzen. Dieses Jahr haben sie eingewanderte Konkurrenz bekommen. Die invasive Grüne Reiswanze ist dabei von der einheimischen Grünen Stinkwanze kaum zu unterscheiden. Auf der folgenden Gegenüberstellung sieht man auf dem ersten Bild, dass die Reiswanze drei kleine weiße Punkte am vorderen Rand des Scutellums hat, die der Stinkwanze auf dem zweiten Bild fehlen.

Bei den ausgewachsenen Exemplaren sind diese drei Punkte oft das einzige Unterscheidungsmerkmal. Die restliche Färbung ist so variabel, dass man die beiden Arten leicht verwechseln kann.

Untrüglich ist aber die im Unschärfebereich des Makros kaum erkennbare Unterlage, auf der die Wanzen sitzen. Bei der heimischen Stinkwanze ist es ein harmloser Zweig, während die Reiswanze sich gerade an unserem Brokkoli gütlich tut. Der Zuwanderer aus Ostafrika ist ein Schädling und breitet sich vom Mittelmeerraum nach Norden aus. Das hat einerseits mit dem Klimawandel zu tun, der es der wärmeliebenden Art immer leichter macht, andererseits korreliert die Ausbreitung bei uns nicht zufällig mit dem verstärkten Anbau von Sojabohnen. Die Reiswanzen schädigen aber quer durch auch eine ganze Reihe anderer Gemüse- und Obstpflanzen.

Schön sind die verschiedenen Nymphenstadien. Hier sieht man die letzte Phase vor der Häutung zum fertigen Insekt. Aber bevor jetzt jemand angesichts der kunstvollen Zeichnung in Verzückung gerät: Auch diese Exemplare habe ich auf einer Brokkolipflanze entdeckt.

Die Grünen Reiswanzen waren bislang Einzelfunde, über Schäden am Gemüse kann ich mich deshalb noch nicht beschweren. Es gibt allerdings einen weiteren Unterschied zur Stinkwanze: Die Gelege sind deutlich größer, und die Reiswanze schafft bei günstigen Bedingungen bis zu vier Generationen pro Jahr, während sich die heimische Art auf einen Fortpfanzungszyklus beschränkt.

22 Kommentare zu „Die grüne Reiswanze

    1. Oh, das klingt nicht gut. Meine Verwandtschaft aus dem Osten (Niederösterreich) stöhnt ähnlich, und das entspricht in etwa der Verbreitungskarte. Wir sind bislang im Süden nur Ausläufer.

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  1. Heuer könnte man erstmals Schlupfwespen als Nützlinge kaufen, leider waren sie zuerst ausverkauft und dann war es zu heiß für die Ausbringung. Und dann war es schon zu spät für den Einsatz.

    Also sammle ich auch heuer wieder ab.

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    1. Viel Spaß beim Absammeln! Wir haben da ja eigentlich noch Glück, weil wir vorgewarnt sind. Der Osten war vorher dran. Um ehrlich zu sein: So schön sie auch sind, auf dem Brokkoli waren sie nur bis kurz nach dem Foto…
      Ich sammle auch und hoffe, sie schmecken ähnlich wie die anderen Wanzen. Die Vögel werden sich irgendwann daran gewöhnen und sie genauso dezimieren, wie sie das mit den heimischen Arten machen.

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    1. Interessant! Uns erzählen sie (z.B. in der Wikipedia), die Tierchen wandern aus dem Süden ein. Scheint alles etwas komplexer. Ich wünsche euch, dass sie euch weiterhin übergehen, weil wo sie zahlreich sind, hört man nichts Gutes.

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      1. Bei den Wanzen sind die Nymphen oft wie verschiedene Arten. Als würden sie sich bewusst vor den Fressfeinden verstecken, indem sie sechs verschiedene Stufen hervorbringen. Vielleicht funktioniert das sogar und irritiert die Vögel. Die halten sich ja bei Neueinwanderern oft jahrelang zurück, bevor sie sie in den Speiseplan integrieren.

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  2. Bei uns sind sie anscheinend noch nicht angekommen. Ich hoffe, dass unter der Vielzahl an Wanzen parasitierenden Raupenfliegen-Arten, die ich im Garten habe, sich auch welche genauso diese Neulinge vornehmen.
    Ob Tachinidae bisher nicht systematisch eingesetzt werden, weil man, um sie für agrarische Zwecke zu züchten, ja eben die Wirtstiere bräuchte?

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    1. Ich kann mir schon vorstellen, dass sich die Fressfeinde erst an neues Futter gewöhnen müssen. Es ist ja nicht alles genießbar oder für parasitierende Raupen tauglich. Schon weil das Timing nicht passt, wenn Einwanderer aus dem Süden mehrere Generationen hervorbringen.
      Das braucht immer ein bisschen, bevor die Anpassung funktioniert. Aber längerfristig bleibt eine Proteinquelle selten unerschlossen. Die Spanische Wegschnecke ist quasi die Ausnahme, die die Regel bestimmt. 😉

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      1. Die Zeiträume können aus der ungeduldigen Menschensicht schon gross sein. So wie ich bei mir im Garten seit etwa zehn Jahren beobachte, wie unterschiedlich die Gemeine Nachtkerze als Nahrungsquelle von verschiedenen Arten angenommen wird. Wenn sich in diesem Jahr erstmals die Spatzen mit Selbstverständlichkeit darüber hermachen, sind dazwischen tatsächlich eben zehn Jahre vergangen, in denen sie es nicht oder nur von mir unbemerkt taten, während Meisen und andere Liebhaber kleiner Samen Jahr für Jahr etwas häufiger mit dem hier in der Gegend noch recht fremden Gewächs experimentierten. Die Insekten waren viel schneller darin, seien es die Nektar- und Pollen verzehrenden oder die Blätter fressenden Interessenten.

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      2. Ja, alles und gleich gibt es in der Natur nicht. 😉 Bei uns Menschen ändern sich die Ernährungsgewohnheiten ja auch eher erst über die Generationen hinweg. Dann werden alte Gerichte plötzlich leicht und mediterran neu interpretiert.
        Wir haben auch Nachtkerzen im Garten, die sich von selber angesiedelt haben. Die Stieglitze kommen aber wegen der Wegwarte. Da können sie stundenlang Samen picken. Umstellungen gehen da langsam. Es ist schon Evolution, nicht Revolution. 😉

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      3. Ja, die Wegwarten waren auch der Einstig für die Spatzen, wie ich vermute. Hätte ich die nicht in meinem Garten, würden sie die gar nicht kennenlernen, denn die Landwirtschaft lässt hier ausserhalb keine mehr zu. Wenn sich mal eine irgendwohin versät hat, war sie gleich wieder weg.

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      4. Ich weiss gar nicht, wie weit ich radeln müsste, um welche zu finden. Der Feldbau ist vorwiegend konventionell, nicht bio, und die Weg- und Strassenränder werden immer wieder gemäht. Meine ersten Pflanzen habe ich deshalb allen Ernstes bei einem Wildstaudenzüchter kaufen müssen.

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  3. ich habe jüngst eine Sammlung aller Wanzen angelegt, die ich 2024 fotografiert hatte. Auch mit Larvenstadien.

    das ging ganz gut, weil ich für 2024 eine monatliche Sammlung aller an nabu gemeldeten insekten angelegt hatte.

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    1. Das klingt fleißig! Da fehlt mir die Disziplin. Aber ich weiß, dass das schönste Foto in der Ablage versenkt ist, wenn ich es nicht mit einem Schlagwort versehe, und so versuche ich zumindest, alles zu bestimmen. Anders wäre mir gar nicht aufgefallen, dass sich die Grüne Reiswanze langsam auch bei uns breit macht. Fürs Gemüse ist das gut, das ist gewarnt.

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      1. Bin sonst nicht mit disziplin gesegnet, aber bei insekten schon.
        Bestimmung ist wichtig, da merkt man auch, dass man schon wieder eine neue art vor sich hat.

        Aber das Ganze ist mit viel Arbeit verbunden!
        Gestern war ich beispielsweise sehr müde nach allem.

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