Winteraktiv

Letzten Winter konnte man von Anfang Dezember bis Anfang Februar auf unserem Gartenteich eislaufen. Dieses Jahr hat sich erst seit ein paar Tagen eine tragfähige Eisschicht gebildet, aber wirklich vertrauensvoll ist sie noch nicht.

Aus der Stärke des Eises kann man immer auch darauf schließen, wie tief der Boden gefroren ist. Die Oberfläche ist zwar hart, aber mehr als ein paar Zentimeter wird diese Schicht nicht sein, und so geht das Leben darunter weiter wie gewohnt.

MaulwurfshügelIm Laufe des Dezembers sind in unseren Gemüsebeeten kleine Hügel gewachsen. Unser Maulwurf bleibt witzigerweise innerhalb der Beeteinfassungen. Während beim Nachbarn regelmäßig die Rasenfläche umgeackert wird, ist unsere Wiese unberührt.

Hinter der Winteraktivität des Maulwurfs steht ein grausiges Detail: Er legt sich Regenwurmvorräte an, indem er ihnen die vorderen Segmente abbeißt. So bleiben sie am Leben, können aber nicht mehr flüchten – steht zumindest in der Wikipedia.

Persönlich wüsste ich nicht, wie ich das beobachten sollte. Ich kann ja bei einem Regenwurm hinten und vorne schon nicht unterscheiden, wenn er an der Oberfläche kriecht. Unter der Erde wäre ich gänzlich überfordert. Wobei man sich schon fragen muss, wie der fast blinde Maulwurf das macht. Vielleicht kann ein erfahrenes Tier am Geschmack oder Geruch erkennen, welches Ende des Regenwurms es gerade vor sich hat.

Wenn ich ein Maulwurf wäre, müsste ich nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum vorgehen. Ich würde einfach ein paar Segmente abbeißen und den Regenwurm dann loslassen. Kriecht er weg, habe ich wieder einmal ein Hinterende erwischt. In meiner Vorratskammer wären also nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit immer 50 Prozent der Würmer an beiden Enden angebissen. Da dass bei einem echten Maulwurf wahrscheinlich nicht der Fall ist, kann man davon ausgehen, dass er diesbezüglich über die bessere Technik verfügt. Dafür kann er keine logisch schlussfolgernden Blogbeiträge schreiben – wer weiß, wofür es gut ist.

Winteraktivität ist übrigens nicht immer von Vorteil. In einem Beitrag auf Linsenfutter habe ich Anfang der Woche gelesen, dass sich Weißstörche, die in milden Wintern im Norden bleiben, unter anderem von Maulwürfen ernähren. Die Vögel wissen genau, welche Hügel frisch sind, und dann warten sie, bis sich unter der Erde etwas regt.

Ich vermute aber, dass Maulwürfe nicht besonders gut schmecken. Bei uns fallen sie manchmal einer streunenden Katze zum Opfer, bleiben dann aber unverzehrt liegen. Im Sommer habe ich so ein unglückliches Exemplar fotografiert, die Aufnahme dann aber nicht verwendet, obwohl man dem Foto nicht ansieht, dass der Maulwurf schon tot ist. Ich gehe aber davon aus, dass sich im Netz einige Beispiele finden, wo der Fotograf auf ähnliche Weise geschwindelt hat. Lebende Maulwürfe findet man fast immer nur unter der Erde.

14 Kommentare zu „Winteraktiv

  1. Also, das mit den Regenwürmern ist ja gruselig , aber auch clever. Die riechen bestimmt vorne anders als hinten. Und bei mir im Garten habe ich schon öfter Maulwürfe oberhalb der Grasnarbe gesehen. Ich hatte sogar mal eine ganz besondere Begegnung:

    Auf dem Weg in die Holzecke, auf leisen Sohlen (so laufe ich, seit ich Katzen habe), sah ich ein paar Grashalme, die sich im hohen Gras bewegten (Katzen-Scanner-Blick). Ganz vorsichtig bin ich herangetreten und was sah ich? Zwei Maulwürfe, die gerade kleine Maulwürfe machten. Der eine auf dem anderen. Und sie machten tatsächlich erst „fertig“ bevor sie in zwei unterschiedliche Richtungen flüchteten.

    Wär hätte das gedacht? Maulwürfe paaren sich unter freiem Himmel. Und wer hat das jemals live gesehen?

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    1. Ja, das glaube ich gern, dass die öfter verfüttert werden, als man glaubt. Maulwürfe vermehren sich auch gar nicht so schlecht. Manchmal sieht man die Hügel wie Pilze aus dem Boden schießen. Und wo etwas gedeiht, profitieren immer auch die Fressfeinde.
      Danke für den Link zu den Fotos. Das Detail mit der Ratte hätte ich sonst nicht beachtet.
      LG Richard

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      1. Was mich dabei bei meinen Beobachtungen, im Winter, immer erstaunt hat ist die Tatsache, dass die Störche nie an einem gefrorenen Maulwurfshügel auf Opfer warten. Es sind immer frische, ohne Frostanzeichen. Sie kennen den Unterschied.
        LG Jürgen

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      2. So ein frischer Maulwurfshügel bewegt sich aber auch merkbar, wenn der Maulwurf von unten nachschiebt. Das habe ich selber schon einmal gesehen. Kann also sein, dass sie durch so eine Bewegung aufmerksam werden.
        LG Richard

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      3. Ich habe beobachtet, das auf großen Wiesen, mit sehr vielen Maulwürfshügeln, gezielt die frischen, also schwarzen Hügel unter Beobachtung standen. Dort wurde regelrecht auf eine Bewegung gewartet. Ich fand das sehr erstaunlich.
        LG Jürgen

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      1. Glückwunsch. Das war mir leider noch nicht vergönnt, aber nach den Kommentaren bin ich motiviert. Das kriege ich auch noch hin. Ich werde aufpassen und weiter beobachten.

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    1. Das erklärt, warum sie bei uns im hinteren Teil des Gartens selten sind. Dort wird nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht. Vorne hätten wir eine geeignetere Wiese, aber auch um die machen sie einen Bogen. Unsere Maulwürfe sind Gartenrandbewohner.

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  2. Das Thema Maulwurf ist bei mir mit einer gewissen Trauer behaftet. Mein Großvater stellte sich stets unverdrossen stundenlang im Garten auf, den Spaten in den Händen, bereit zum „Angriff“. Er verbannte uns Kinder ins Haus, damit wir die Maulwürfe mit unserem Getrampel nicht vertreiben. Großvater schaffte es ein ums andere Mal, genau in dem Moment den Spaten in den Boden zu rammen, wenn sich der Hügel zaghaft bewegte, schleuderte den Maulwurf samt eine Dreckfontäne hoch – und erschlug das Tier. So etwas vergisst man als Kind nicht. Ich saß dann da, streichelte das seidige Fell und begrub das Tier. Das geht mir heute noch nah. Aber damals hatten die Leute ein „robustes“ Verhalten zu Tieren, gerade auf dem Land. Für Sentimentalitäten war kein Platz. Maulwürfe galten als Schädlinge….

    Danke für deinen Beitrag!

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    1. Großen Dank retour. Es sind Rückmeldungen wie diese, warum ich gerne blogge. Man schreibt einen kleinen Betrag und lernt ganz nebenbei viel Neues über die beschriebenen Tiere in unserem Garten, was auch nirgendwo in Büchern oder der Wikipedia steht.
      In Südkärnten, wo ich quasi als Städter regelmäßig auf dem Land zu Gast bin, weil wir dort ein Haus mit Garten geerbt haben, sind mir zwei diametral gegensätzliche Haltungen zum Maulwurf aufgefallen. Es gibt zum Beispiel welche auf dem Friedhof. Da stecken die Leute diese Pfeifgeräte in die Erde, um sie zu vertreiben. Als hätten sie Angst, die Tiere würden ihnen die Angehörigen ausgraben. Das ist so absurd, weil das wirklich ein naturbelassener Dorffriedhof im Wald ist. Englischer Rasen ist dort keiner.
      Und dann habe ich Nachbarn mit einem großen Garten. Die Wiese wird regelmäßig gemäht, und genauso regelmäßig kommen dann die Maulwurfshügel über das ganze Areal verteilt heraus. Ich freue mich jedes Mal, weil sie dort geduldet werden.
      Für mich gehören sie irgendwie dazu. Ich muss auch nicht wissen, ob sie schädlich sind oder nützlich. Einerseits fressen sie Regenwürmer, andererseits lockern sie die Erde auf und fressen auch „Schädlinge“, also wird ihre Rolle wohl irgendwo dazwischen liegen, und sie gehören zu einem naturnahen Garten dazu wie alle anderen Bewohner auch. Es ist das ausgewogene Ganze, auf das es ankommt.
      Und das Beruhigende an den Maulwürfen ist, dass sie so unverwüstlich sind. Zumindest konnte sie dein Großvater genauso wenig nachhaltig vertreiben wie die Leute mit den Pfeifgeräten auf dem Friedhof. Nur dort, wo die industrielle Landwirtschaft dazu führt, dass es auch kaum noch Regenwürmer gibt, verschwinden die Maulwürfe, Aber überall, wo es bei uns eine Waldlichtung oder eine kleine Wiese zwischen dem Siedlungsgebiet gibt, hat die ihre kleinen Hügel. Und ich finde diese Erdhaufen irgendwie schön.

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      1. Ich stimme dir voll und ganz zu. Hier sind Unmengen Maulwurfshügel zu entdecken. Ich mag es, wenn die schwarze Erde so locker aufgeworfen zwischen grünem Gras erscheint. Das signalisiert Leben…

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