Nebelmorgen ohne Frühstück

Spinnennetz

Ich bin sicher, Spinnen hassen Herbstnebel. Wenn am Morgen alles darauf wartet, dass die Sonne die letzten Schwaden auftrocknet und wieder ein schöner Hochdrucktag beginnt, gibt es im Garten die schönsten Fotomotive. Überall in den Sträuchern, den Bäumen, am Teich und in den Wieseninseln hängen weißleuchtende Spinnweben. Ein Horror für jeden Arachnophobiker.

Wenn man genau schaut, kann man beobachten, dass all die kunstvoll gefertigten Fangvorrichtungen in diesem Zustand wertlos sind. Sie sind jetzt nicht nur sichtbar, sondern auch kaum klebrig, denn an der klebrigen Substanz haften ja die Tautropfen, und so können sich selbst kleinste Insekten mühelos aus der Falle befreien.

Aber Spinnen sind geduldige Wesen. Auf das Frühstück können sie verzichten, und in zwei, drei Stunden, wenn die Sonne die nächtlichen Feuchtigkeitsreste verdunsten hat lassen, sind die dekorativen Kunstwerke alle wieder verschwunden. Nur wenn man sich ihre Position gemerkt hat, sieht man sie noch, denn auf der Lauer liegen ihre Schöpfer natürlich immer noch. Nur die Netze sind jetzt wieder unsichtbar und funktionstüchtig.

Nicht immer sitzt in der gewebten Falle übrigens eine Spinne. Manchmal schützt das Netz auch nur die Nachkommen, wie man am Kokon der Wespenspinne auf dem letzten Bild erkennen kann.

Das ganz normale Bienensterben

Wespenspinne

Im Sommer ist der ganze Garten voller Honigbienen. Sie sind auffälliger und vielleicht auch zahlreicher als die Wildbienen. Als Generalisten sind sie nicht anspruchsvoll und plündern, was gerade blüht – von der wilden Möhre über den Klee bis zum Buchweizen. Vor allem die Küchenkräuter haben es ihnen angetan. Deren Aroma schätzen sie genauso wie wir.

Wir haben Glück, unser Garten liegt in der Mitte des Dorfes, die nächsten Felder mit möglicher Spritzmittelbelastung sind ein paar hundert Meter entfernt, und auch unsere Nachbarn halten nicht viel von Chemie im Garten. Hinzu kommt, dass es immer noch Imker in der Gegend gibt, die sich diese Arbeit antun, und so sind die Bienen bei schönem Sommerwetter allgegenwärtig.

Die Bedeutung dieser Tiere fällt einem dann besonders auf, wenn man sieht, wie viele Fressfeinde sie haben. Zwischen den Oreganoblüten hat sich eine wohlgenährte Wespenspinne breit gemacht. Diese Art ist eigentlich auf Grashüpfer spezialisiert. Sie spannt ihr Netz dafür knapp über dem Boden. Die Exemplare in unserem Garten lassen aber keinen Zweifel daran, dass sie auch Bienen schmackhaft finden und die wehrhafte Beute geschickt in Proviantkokons packen können. Mit Vorliebe bewachen sie dazu Kräuterbeete oder Brombeerblüten. Sie wissen genau, wo die Bienen hinsteuern.

Wespenspinne