Damenbesuch

Erdkröte

Seit über zwei Monaten sitzt der Kleine Wasserfrosch jetzt in unserem Teich und trainiert seine Stimme. Anfangs stieß er nur verhalten mehrere gleichklingende Töne aus. Mittlerweile beherrscht er unterschiedliche Tonhöhen und Lautstärken. Es klingt fast schon wie Gesang, nur schaurig halt.

Vergangene Woche hat er an einem sonnigen Nachmittag noch einen Gang zugelegt. Plötzlich wurde es laut, der Wasserfrosch spielte sein ganzes Repertoire aus und versuchte, mit seiner Sangeskunst zu verführen. Ein Erdkrötenweibchen schwamm durch den Teich, und er bemühte sich, ihre Aufmerksamkeit zu erregen.

Dabei zeigte sich sein vornehmer Charakter. Ein Erdkrötenmännchen wäre sofort auf das Weibchen zugeschwommen und hätte versucht, sie zu packen. Nicht so der künstlerisch veranlagte Wasserfrosch. Er blieb zunächst auf Distanz und setzte auf die unwiderstehliche Wirkung seines Gesangs. Erst, als sie nicht reagierte, schwamm er zögerlich näher. Vermutlich hielt er die Dame für schwerhörig und wollte ihr aus nächster Nähe ins Ohr singen.

Erdkröte und Wasserfrosch

Man muss aber nicht nur taub, sondern auch rot-grün-blind sein, um den Artunterschied nicht zu bemerken. Das Erdkrötenweibchen war nur an einer kurzen Abkühlung interessiert. Sie stieß den balzenden Frosch brüsk weg und tauchte ab.

Biene auf Salbei

Holzbiene

Die Vielfalt der Fauna im Garten verdankt sich auch der Flora. Die Auswahl der Pflanzen besorgt dabei Mrs. Colombo gewissenhaft selbst. Sie liest sich aufmerksam durch alle Beschreibungen, orientiert sich an den Abbildungen – und ignoriert alle Zahlen, besonders die zur Wuchshöhe. Dass Muskatellersalbei auf Fotos eher zierlich aussieht, ist eine Täuschung. Die Blätter sind Handteller groß, und die Pflanze ist über einen Meter hoch. Da passt jetzt vielleicht die Kombination im Beet nicht mehr so, wie gedacht, aber die Fauna bereichert es trotzdem, denn manche Bienen sind ja auch größer als andere.

Seit Wochen blüht der Muskatellersalbei, und die Holzbienen haben ihre Freude daran. Bis zu drei Exemplare habe ich schon gleichzeitig beobachtet. Dem intensiven Duft, der der Pflanze auch ihren Namen gibt, können sie anscheinend nicht widerstehen. Der Fotograf wird da völlig ignoriert.

Beim Zusehen hat man irgendwie das Gefühl, dass sich hier zwei gefunden haben, und tatsächlich passt die Symbiose. Es gibt nicht viele Insekten, die den Muskatellersalbei bestäuben können, aber die Holzbiene ist durch ihre Größe dafür bestens geeignet.

Bis zur Unkenntlichkeit

Distelfalter

Manchmal sieht man einen Schmetterling im Garten, der so zerrupft und ausgebleicht ist, dass man die Art kaum noch erkennen kann. Bei diesem Distelfalter fehlt die Zeichnung fast gänzlich.

Welches Ereignis dieses Exemplar so gezeichnet hat, kann man nur raten. Als Wanderfalter hat er viele Möglichkeiten. Vielleicht ist er in ein Gewitter geraten. Hier zum Vergleich noch ein Distelfalter vom letzten Jahr mit vollständiger Zeichnung von der Unter- und Oberseite. Das letzte Bild zeigt einen leicht ramponierten Distelfalter aus dem Jahr 2018, gleichsam eine Zwischenstufe der beiden anderen.

Groß und prächtig

Der Große Kiefernprachtkäfer, auch Marienprachtkäfer, ist groß, prächtig und selten. Normalerweise muss man lange suchen, um so einen Käfer zu finden, und dann fällt es angeblich schwer, ihn zu fotografieren, weil er scheu ist und rasch weg fliegt.

Das hier gezeigte Exemplar saß um die Mittagszeit bei uns auf der Hausmauer und ließ sich geduldig ablichten. Die Larve des Käfers ernährt sich von abgestorbenen, alten Kiefern. Wie unser Freund in dieser Gegend das Kunststück fertig gebracht hat, so groß und prächtig zu werden, bleibt fraglich. Wald ist bei uns eigentlich ein Synonym für Fichtenplantage.

Auch Mörder kuscheln

Rote Mordwanze

Wanzen ernähren sich immer flüssig. Das liegt an ihrem Fresswerkzeug, dem Rostrum. Dieser Rüssel hat zwei Kanäle: Durch den einen injizieren die Tiere Gifte und Verdauungssäfte, durch den zweiten saugen sie anschließend die Nahrung ein.

Jede Art ist auf andere Quellen spezialisiert. Die Bettwanze bevorzugt unser Blut, die Streifenwanze saugt an den Doldenpflanzen im Garten, und die hier gezeigte Rote Mordwanze ernährt sich von anderen Insekten. Man lässt die Tiere am besten nicht zu nah an sich heran, denn ihr Stich durchdringt auch menschliche Haut. Im Zweifelsfall hält man eine Kamera zwischen sich und die roten Wanzen, denn sie sind sehr schöne, fotogene Tiere.

Das Treiben der beiden Exemplare auf den Blättern unseres Haselnusstrauchs lässt vermuten, dass wir auch im nächsten Jahr wieder Rote Mordwanzen in unserem Garten haben werden. Die Art mag sonnige, warme und trockene Gegenden, bevorzugt im Süden. In Italien wäre die Mordwanzenrate sogar doppelt so hoch. Dort könnte man Rhynocoris iracundus theoretisch mit Rhynocoris rubricus verwechseln, wenn die nicht beide gleich aussehen würden.