Die Maulwürfe in Nachbars Garten

Kein Garten ist eine Einheit für sich selbst. Erst im Zusammenspiel mit den Nachbargärten bildet er einen speziellen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Deutlich sichtbare Trampelpfade weisen darauf hin, wo sich in den Hecken versteckt die Löcher im Zaun befinden, die von Katzen und Igeln gleichermaßen auf ihren Streifzügen benützt werden.

Wir tun viel, um durchstreifende Gäste zum Verweilen einzuladen. Viele Arten nehmen dieses Angebot freudig an, bei anderen will uns das nicht so recht gelingen. Wir hätten zum Beispiel gern einen Maulwurf, und hie und da türmt auch einer einen kleinen Hügel in der Mitte unserer Wiese auf, aber er bleibt nie lange. Stattdessen ist Nachbars Garten mittlerweile großflächig unterminiert. Dabei bietet er den Mauwürfen nichts anderes als eine große Wiese, die im Sommer einmal im Monat gemäht wird. Trotzdem übt sie eine geheime Anziehungskraft aus.

Maulwürfe sind an und für sich Einzelgänger, die ihre Reviere gegen Eindringlinge verteidigen. Es soll aber auch Gänge geben, die wie Autobahnen gemeinsam genutzt werden. Ich vermute, sie machen es wie die Luchse: Jedes Individuum hat sein eigenes Territorium, aber neue Reviere werden immer so positioniert, dass sie an ein bereits bestehendes angrenzen. Irgendwann wird sich der Bereich, den die Maulwürfe in Nachbars Garten einnehmen, so weit ausgedehnt haben, dass auch wir davon betroffen sind.

Indirekt profitieren wir aber auch schon jetzt von der Maulwurfskolonie. Ihre Hügel sind beliebt bei verschiedenen Bienen. Das feinkörnige Substrat ist ideal für Sandbienen, um ihre Brut darin abzulegen, und von den gedrungenen, pelzigen Blütenbestäubern haben wir im Spätfrühling genug. Die finden sich dann auch in unserem Garten, denn für die meisten Tiere ist am Zaun nicht halt.

Das Problem mit den Streunerkatzen

Als der Garten noch von unserer Elterngeneration betreut wurde, gab es immer wieder  Streunerkatzen, die am Dachboden des Schuppens ihre Jungen großgezogen haben. Der Grund für die Anziehungskraft dieses Verstecks war ein zweiter Eingang durch eine Lücke im Dach. Ich habe den gebrochenen Dachziegel repariert, und seither ist der Platz für Katzenmütter nicht mehr interessant.

Trotzdem streunen immer wieder wilde Katzen durch unseren Garten. Die meisten sind so scheu, dass man sich ihnen kaum auf weniger als zehn Metern nähern kann. Sie sind kleinwüchsiger als zahme Katzen und werden in der Regel auch nicht sehr alt.

Ich vermute, dass Streunerkatzen die Zahl der anderen Wildtiere in unserem Garten dezimieren. Tatsächlich habe ich aber noch nie gesehen, dass ihnen einer unserer Singvögel zum Opfer gefallen wäre. Dafür sind eher die gutgenährten Hauskatzen mit festen Plätzen verantwortlich. Streunerkatzen sind meiner Meinung nach Aasfresser, die mit Vorliebe Komposthaufen plündern. Wer vermeiden will, dass sie überhand nehmen, sollte keine Fleischreste wegwerfen, und selbstverständlich sollte man sie auch nicht anfüttern, es sei denn, man ist bereit, sie einzufangen und sterlisieren zu lassen.

Die Zahl der Streunerkatzen in unseren Gärten regelt sich – wie bei allen Raubtieren und Fleischfressern – nach dem Nahrungangebot. Nur dort, wo sie gefüttert werden, besteht die Gefahr, dass sie sich unkontrolliert vermehren.

Was übrigens nichts hilft, sind gesetzliche Regelungen. Seit genau zwei Jahren ist in Österreich die Sterilisationspflicht gesetzlich vorgeschrieben. Ich glaube nicht, dass dadurch auch nur eine Katze weniger durch unseren Garten streift. Solange die Kommune kein Geld in die Hand nimmt, wird sich an der Zahl der Katzen nichts ändern.