Ein Hüpfen wie damals

Gemeiner Grashüpfer

Eine meiner Kindheitserinnerungen ist, dass ich in der Sommerhitze einen geschotterten Feldweg entlanggehe, und bei jedem Schritt springen mehrere Grashüpfer in fächerförmigen Richtungen davon.

Dieses Jahr scheint für die Grashüpfer ein gutes gewesen zu sein. Sie begegneten mir nicht nur bei Spaziergängen, sondern auch im Garten. Manchmal ertappte ich mich dabei, dass ich bewusst durch die Wiese spazierte und mit den Füßen links und rechts die kleinen Hüpfer aufzuschrecken versuchte. Das hat sie sicher genervt, aber was tut man nicht alles für den Hauch einer Kindheitserinnerung.

Neben der günstigen Witterung im diesjährigen Sommer kommt den Grashüpfern sicher auch zugute, dass ich die Wiese – wenn überhaupt – mit einem händischen, altmodischen Spindelmäher mähe. Der schreddert die Insekten nicht, abgesehen davon dass sie es bei meinem Arbeitstempo sowieso rechtzeitig in die nächste Wieseninsel schaffen.

Auf den Fotos sieht man den Gemeinen und den Braunen Grashüpfer. Ersterer bevorzugt die kühleren, schattigen Plätze in der Wiese, während sich der Braune Grashüpfer gern auf Steinboden wärmt. Er sitzt auch im Garten mit Vorliebe am Wegesrand und erfreut mich beim Vorbeigehen mit seinem Hüpfen.

Zwei Gemüsewanzen

Schwarzrückige Gemüsewanze

Bei den Gemüsewanzen gibt es zwei Arten, die sich kaum unterscheiden: die Schwarzrückige und die Zierliche Gemüsewanze. Wahrscheinlich handelt es sich bei den hier gezeigten Tieren um die Schwarzrückige.

Auf den ersten Blick denkt man vielleicht an Feuerwanzen, die im Volksmund auch Schusterwanzen heißen. Aber die beiden tun nur so. Es gibt aus irgend einem Grund bei den Wanzen eine Vorliebe für den exakt gleichen Rotton. Nur die schwarzen Flecken sind anders angeordnet.

Gemüsewanzen sind an und für sich häufig. Dass sie diesen Sommer in unseren Garten gezogen wurden, liegt an der Pflanze, auf deren Samenständen sie herumturnten. Hier ein Foto der vorangegangenen Blüte:

Kohlrabiblüte

Gemüsewanzen bevorzugen Kreuzblütler, und wenn man genau schaut, sieht man die vier kreuzförmig angeordneten Blütenblätter. Kohlrabi blüht im zweiten Jahr ungefähr hüfthoch. Danach bilden sich schotenförmige Samen wie beim Brokkoli schon im ersten Jahr. Wenn man die Samen ausreifen lässt, zieht das die Gemüsewanzen in den Garten.

Die Neugier der Mosaikjungfer

Blaugrüne Mosaikjungfer, Männchen

Wenn ich in den Gartenteich steige, um zu schwimmen, habe ich sofort eine Libelle vor der Nase. Es ist das dominante Männchen der Blaugrünen Mosaikjungfer, das mich neugierig begutachtet. Das Interesse gilt aber eher nicht meiner Person, sondern etwaigen Beuteinsekten, die mich begleiten.

Diese Männchen haben immer Stress, sind permanent in der Luft und gönnen sich nie eine Pause. Solange das Revier ihnen gehört, konzentrieren sie sich auf drei Dinge: Futter, das man im Flug fängt und verzehrt, andere Männchen, die man vertreiben muss, und Weibchen, die sofort gestellt und recht rüde zur Paarung gezwungen werden.

Im Paarungsrad wird nur das Samenpaket übergeben. Die eigentliche Befruchtung erfolgt erst, wenn das Weibchen die Eier ablegt, und das heißt, jedes Weibchen kann neu begattet werden. Das Samenpaket des Vorgängers wird einfach entfernt. So garantiert die Natur, dass sich nur die stärksten Männchen vermehren.

Blaugrüne Mosaikjungfer, Weibchen

Die grün gefärbten Weibchen versuchen dem Stress zu entgehen, indem sie erst in den Abendstunden ablaichen. Die Eier deponieren sie knapp über der Wasseroberfläche an Steinen oder Moospolstern. Der daneben sitzende Frosch beginnt dann immer einzuspeicheln und mit den Hinterbeinen zu zucken, aber da steht mehr Wunschdenken dahinter als realistische Selbsteinschätzung. Die großen, geschickten Flieger sind für ihn außer Reichweite.

Auch eine Nisthilfe

Insektenbrut im Werkzeugset

Platz ist bekanntlich in der kleinsten Hütte. Ich habe keine Ahnung, ob das eine erfolgreiche Brut wird, ich weiß nur, dass ich dieses Werkzeug im nächsten Jahr eher nicht benützen werde. Vielleicht finde ich bis dahin auch heraus, welches Insekt sich hier so viel Mühe gemacht hat.

Zwei Doppelhaushälften

Französische Feldwespe Nest

Wie bei vielen staatenbildenden Insekten überwintern auch bei den Französischen Feldwespen nur die Königinnen. Zu Beginn des Jahres tun sich mehrere zusammen und gründen ein neues Nest. Im Laufe des Frühjahrs übernimmt dann eine dieser Königinnen die Führungsrolle, die anderen schließen sich den Arbeiterinnen an und geben das Eierlegen auf.

Jahr für Jahr bildet sich so ein Nest unter dem Deckel unseres Gastanks. Das ist quasi der Stammplatz dieser Feldwespen. Von hier haben sie es nicht weit zum Gartenteich, um bei zunehmender Hitze Kühlwasser zu holen. Zur Dokumentation hebe ich den Deckel einmal im Sommer hoch und mache ein Foto. Das folgende Bild ist vom 23. Juli des letzten Jahres:

Französische Feldwespe Nest

Dieses Jahr hat sich die Taktik geändert. Bei meinem Kontrollblick fand ich zwei ziemlich gleich große Nester nebeneinander. Anfang Juli sah das so aus:

Französische Feldwespe Nest

Die Anlagen entwickelten sich parallel. Von Konkurrenz schien keine Spur. Mittlerweile neigt sich die Saison dem Ende zu. Jetzt schlüpfen keine Arbeiterinnen mehr, sondern Männchen und Weibchen für die nächste Generation, und im Laufe des August hat sich das Gleichgewicht verschoben. Das linke Nest wird vernachlässigt, der Betrieb auf der rechten Seite hat sich verdoppelt.

Französische Feldwespe Nest

Dass diese beiden Staaten nicht unabhängig voneinander agieren können, ergibt sich schon durch die räumliche Nähe. Hier herrscht kein Streit, sondern harmonisches Miteinander. Sobald in einem Bau die Bruttätigkeit nachlässt, widmen sich die Arbeiterinnen der Aufzucht bei den Nachbarn. Die doppelte Anlage sorgt jetzt dafür, dass die stärkere Königin mehr Personal zur Verfügung hat, um die nächste Generation mit Futter zu versorgen.

Da die Französischen Feldwespen ihre Nester im Frühjahr immer als Kooperation zwischen mehreren Königinnen gründen, ist diese Doppelhausvariante nur eine logische Weiterentwicklung, um bei günstigen Bedingungen mehr Nachkommen hervorzubringen.