Kein Einzelfall

Südlicher Blaupfeil Männchen

Ich bin immer wieder überrascht, welcher Libellenreichtum in unserer Gegend herrscht. Jedes Jahr entdecke ich neue Arten am Teich. Letzte Woche war es ein Exemplar des Südlichen Blaupfeils auf einem Halm der Schwanenblume. Diese Art habe ich hier noch nie gesehen, und gerade als ich zur Kamera greife, um die ersten Fotos zu machen, findet sich ein zweites Exemplar dieser Spezies ein.

Ein Blaupfeil kommt anscheinend selten allein. Als hätten sie sich am Teich verabredet. Mittlerweile sind hier mehr als zehn verschiedene Libellenarten angesiedelt, und auch der Südliche Blaupfeil ist offensichtlich gekommen, um zu bleiben und sich zu vermehren.

Zurück ins Wasser

Große Königslibelle Weibchen

Mit den Libellen hat die Evolution eine Konstruktion hervorgebracht, die perfekt an die Lebensräume Wasser und Luft angepasst ist. Die Larve bejagt unsere Tümpel, in denen ein Überangebot an Nahrung besteht. Anschließend klettert sie empor, häutet sich noch einmal und erobert als fertiges Insekt den Luftraum, um so andere Gewässer erreichen zu können.

Je nach Art ist die Strategie bei der Eiablage unterschiedlich. Das Plattbauchweibchen wirft die Eier einfach ins Wasser, die Große Heidelibelle tut das im Tandemflug gemeinsam mit dem Männchen und viele Arten wie die Blaugrüne Mosaikjungfer platzieren den Laich gar nicht im Gewässer sondern oberhalb. Erst die frisch geschlüpfte Larve lässt sich dann ins Wasser fallen.

Die Große Königslibelle hingegen macht sich die Mühe, ihre Eier unter Wasser in Pflanzenteile zu stechen. Dabei tastet sie mit dem Hinterleib gewissenhaft nach einer geeigneten Stelle. Notfalls taucht sie auch tief unter, bis nur noch der Brustabschnitt, Kopf und Flügel herausragen.

Die Männchen findet man an unserem Teich nur selten. Nach der Paarung, die meist abseits in einem Gebüsch stattfindet, bleibt der Ablaichvorgang den Weibchen überlassen. Auch ein Revierverhalten wie zum Beispiel beim Plattbauch, wo die Männchen tagelang „ihren“ Teich gegen Konkurrenten verteidigen, kann ich bei der Großen Königslibelle kaum beobachten. Während man die Weibchen relativ leicht fotografieren kann, kriegt man die Männchen eher selten aufs Bild.

Juni im Juli

Junikäfer

Bei uns gibt es normalerweise Ende Juni immer ein bis zwei Wochen, in denen man abends besser nicht in den Garten geht. Verantwortlich dafür ist der Gerippte Brachkäfer, den man auch Junikäfer nennt. Sobald die Dämmerung hereinbricht, sind für vielleicht eine Stunde so viele schwerfällig brummende Käfer in der Luft, dass man sie besser nur vom Fenster aus beobachtet.

Die Käfer selbst leben nicht lange. Sie haben keine andere Aufgabe als ihre Paarungsflüge zu absolvieren und anschließend die Eier abzulegen. Die meiste Zeit ihres Lebens verbringen die Insekten als Larven im Boden. Sie begegnen mir, wenn ich den Knoblauch ernte. Den knabbern sie gern an.

Wenn es mir zu viele sind, stelle ich eine Schüssel für die Vögel auf. Die Larven sind sehr geschickt darin, sich möglichst schnell wieder in die Erde einzugraben, aber aus der Schüssel klettern können sie nicht. Vorab lohnt es sich, sie auf eine Steinplatte zu legen und ihre Fortbewegungsart zu studieren. Maikäfer winden sich seitlich, die Larven des nützlichen Rosenkäfers drehen sich auf den Rücken und robben so mit den Beinchen nach oben davon, die Junikäferlarven können hingegen laufen. Sobald sie sich aus der Seitenlage nach oben gedreht haben und mit den Beinen am Boden aufkommen, bewegen sie sich relativ stabil geradeaus und wirken dann fast wie Raupen.

Dieses Jahr haben sich die Junikäfer bis in den Juli Zeit gelassen. Das lag wohl am kalten Wetter im Mai. Auch ihre Zahl war deutlich geringer als sonst. Es ist wie mit den Maikäfern: Eigentlich sind sie Schädlinge, allzu viele wünscht man sich nicht, aber wenn sie ganz ausbleiben, ist einem das auch nicht Recht. Das Brummen in der Abenddämmerung gehört zum Sommeranfang einfach dazu. Und die leicht zu fangenden Käfer sind genauso wie ihre Engerlinge sicher nahrhaftes Futter für Igel, Vögel und Konsorten.

Lichteinfall

Schwarzer Trauerfalter

In unserem Garten ist der Schwarze Trauerfalter einer der häufigsten Falter im Frühsommer. Zumindest in den letzten Jahren ist er mir im Juni und Juli immer wieder aufgefallen. Es heißt, er steht weniger auf Blüten als auf Pferdemist. Bei uns bevorzugt er aber die Himbeerblüten. Vielleicht weil so wenig Pferdemist herumliegt. In der Wikipedia steht, er fliegt langsam und schwebend. Das ist wahrscheinlich ein Synonym für nervöses Herumflattern. Langsam ist maximal der Fotograf.

In der Wikipedia steht auch, „die Unterseite ist rostbraun“. Das stimmt nicht immer, wenn man sich die oberen Bilder anschaut. Der eine Falter ist unten rostbraun, der andere schwarz. Trotzdem gehören beide zur selben Art, es handelt sich nämlich um das selbe Exemplar. Nur die Beleuchtung ist anders. Und dann wundert man sich, dass das Bestimmen der Schmetterlinge so schwer fällt…

Der kurze Weg

Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Gerade. Der Flugweg der hier dargestellten Libelle war vom Schlupfpunkt bis zum Spinnennetz ungefähr zwei Meter. Sie bewegte sich dabei ziemlich genau auf mich zu. Die Kamera hatte ich neben mir liegen, trotzdem musste ich schnell sein. Die Spinne eilte sofort herbei, wickelte die Libelle ein und schleppte sie in ihr Versteck. Der gesamte Vorgang dauerte genau sechs Minuten, sagen mir die Aufnahmezeiten der Fotos.

Das Netz befindet sich unter dem Hebel einer Schwengelpumpe. Es wurde beim Einwickeln der Beute von der Spinne in großen Teilen zerstört. Die macht das offensichtlich für jeden Fang vollständig neu.

Die Augen von Fluginsekten nehmen Spinnweben normalerweise sehr genau war. Ich muss immer wieder bewundern, wie präzise Bienen, Wespen und Hummeln um Spinnennetze herumkurven. Auch Libellen sind hier sehr geschickt, trotzdem können sie gegen die Physik nicht an, und es ist manchmal besser, gegen das Licht zu fliegen. Was ich in der Morgensonne ohne Probleme sehen konnte und was sogar auf den Fotos deutlich erkennbar ist, war für die frisch geschlüpfte Libelle mit der Sonne im Hintergrund unsichtbar. Wirklich fette Beute macht die Spinne aber wahrscheinlich erst in der Nacht.