Heupferde auf Margeriten

Larve des Grünen Heupferds auf Margerite

Unser Garten hat zwei Teile – den sozialverträglichen und den, wo keiner rein sieht. Hinter dem Haus steht die Wiese die meiste Zeit kniehoch, vorne wird die ganze Fläche regelmäßig gemäht. Der eine Teil gefällt mir, der andere den Nachbarn, und bei den Margeriten sind wir uns einig. Die dürfen nicht nur bei uns im Vorgarten bleiben, die zieren auch viele andere Rasenflächen in der Gegend, bis sie verblüht sind.

Es ist wie ein Sport: Man muss ein gutes Auge haben und seinen Garten kennen, um zu wissen, an welcher Stelle im Frühjahr die zarten krausen Blätter ans Licht kommen. Aus diesen wachsen dann im Mai die Blütenstängel empor, und bis Anfang Juni hat man so einen weißen Blütenstrauß mitten in der Wiese stehen.

Insekten habe ich bislang auf den Margeriten wenige entdeckt. Schmeißfliegen, Schwebfliegen und Schenkelkäfer sind mir aufgefallen, maximal noch einzelne Wildbienen – die Honigbiene hat um diese Zeit längst schmackhaftere Nahrung.

Dieses Jahr tummeln sich aber die Grünen Heupferde recht zahlreich auf den weißen Blüten. Noch sind sie klein und unscheinbar, aber vom Schlüpfen im Frühjahr bis zum fertigen Insekt im Oktober durchlaufen sie acht verschiedene Stadien. Und im Gegensatz zu vielen anderen Insekten schauen auch die sieben Larvenstadien fairerweise schon fast so aus wie die adulten Tiere.

Der Lohn der Schmerzen

Segelfalter

Der ursprünglich aus dem Südosten stammende Feuerdorn ist mittlerweile bei uns eine allseitsbeliebte Garten- und Parkpflanze. Er gilt wegen seiner Dornen als Vogelschutzgehölz und seine Beeren sind, wie ich bestätigen kann, im Herbst vor allem bei den Amseln als Futter begehrt.

Für mich persönlich ist es eine Traumapflanze, ein Erbstück, das mir Alpträume bereitet und mich immer öfter schweißgebadet aufwachen lässt, desto weiter das Gartenjahr voranschreitet. Unser Feuerdorn wächst nämlich vor einem Fenster, und er macht, immergrün wie er ist, im Winter ziemlich finster. Deshalb wird er von mir jeden Herbst geschnitten, und diese Prozedur ist äußerst schmerzhaft. Ich benütze dafür dicke Handschuhe und eine Astschere mit extralangen Griffen. Die Stücke, die ich mit gestreckten Händen abschneide, sind deutlich kürzer als die Scherenhebel, und sie werden anschließend auf Distanz über der Scheibtruhe in Kleinteile zerlegt, aber alle Vorsicht nützt nichts. Irgendwann erwischt mich einer dieser Dornen, die sich mühelos durch Schuhsohlen bohren können, weil sie nicht nur spitz und lang, sondern auch entsprechend hart sind.

Es ist also nur würdig und recht, wenn diese Pflanze für all die Schmerzen auch eine Entschädigung bereit hält. Während der Blüte ist sie nicht nur ein Anziehungspunkt für unzählige kleine Wildbienen, sondern auch für den einen oder anderen Schmetterling, wie zum Beispiel für diesen Segelfalter, der vom Nektar so betört war, dass er sich durch mich nicht stören ließ. Das Exemplar ist zwar schon leicht ramponiert, aber so nah war ich diesen mittlerweile eher seltenen Faltern noch nie.

Kaffee gegen Lilienhähnchen

Lilienhähnchen

Ende April, Anfang Mai taucht für kurze Zeit immer eines meiner Lieblingstiere im Garten auf: das leuchtend rote Lilienhähnchen. Dieser schmucke kleine Käfer zeichnet sich durch einen unstillbaren Appetit nach Lilienblättern aus. Zuerst sind es nur einzelne ovale Löcher, später verschwinden ganze Blätter und die so malträtierte Pflanze gelangt nie zur Blüte.

Noch gefräßiger sind die Larven des Lilienkäfers. Die schützen sich außerdem gegen Fressfeinde, indem sie sich ihren eigenen Kot auf den Rücken pappen. So ein Singvogel verfüttert seinen Jungen ja auch nicht jeden unappetitlichen Scheiß, nur weil er gerade reichlich im Angebot ist.

Endgültig sympathisch macht das Lilienhähnchen aber seine unüberwindbare Abneigung gegen Kaffee. Seit Jahren steht bei uns neben der Siebträgermaschine im Frühling ein Plastikgefäß. In diesem sammeln wir die Kaffeereste, um sie anschließend rund um die Lilien zu verteilen. Die kleinen roten Käfer verziehen sich kurz darauf, und unsere Lilien blühen Jahr für Jahr in voller Pracht.

Wenn doch nur alle Schädlinge so einfach zu vertreiben wären! Mit ein bisschen Abwarten und Kaffeetrinken bringt man das Lilienhähnchen dazu, sich zu den Nachbarn zu verziehen. Es ist eine einzige Win-Win-Situation, denn da Kaffeepulver ein guter Dünger ist, haben alle Beteiligten etwas davon: Ich komme am Nachmittag zu meinem Espresso, die Lilien sind immer gut gedüngt, und dem schmucken roten Käfer bleibt meine Sympathie gewiss, solange er keine Resistenz gegen Kaffee entwickelt. Und, Hand aufs Herz, ich bin ganz sicher, das Lilienhähnchen wird sich hüten, diesbezüglich Ambitionen zu entwickeln, denn es wünscht sich bestimmt nichts sehnlicher als die Erhaltung meines Wohlwollens – dieses kleine Gfrastsackl.

Wahrscheinlich leben wir sogar in einer idealen Welt, in der gegen jeden Schädling ein Kaffeestrauch gewachsen ist. Dumm nur, dass wir als einzig unvollkommener Teilnehmer in diesem Spiel nicht alle Hausmittel kennen und deshalb mit so vielen Schwierigkeiten leben müssen. Umso schöner, dass es wenigstens das Lilienhähnchen gibt, um uns zu zeigen, wie einfach die Lösungen sind, wenn man die richtigen Mittel kennt.

Geschafft

Französische Feldwespe

Am Sonntag Nachmittag stieg das Thermometer auf über zehn Grad. In der Sonne hatte es deutlich mehr. Auf den Balkonfliesen wärmte sich eine einsame französische Feldwespe. Statt sich darüber zu freuen, dass sie die Überwinterung geschafft hatte, wirkte sie eher geschafft. Es ist wahrscheinlich auch nicht so einfach, sich nach der langen Pause wieder zu reaktivieren und die Ganglien in Betrieb zu nehmen.

Als nächstes muss sie sich einen geeigneten Platz suchen, um mit der Anlage eines Nestes zu beginnen. Meistens schließen sich dabei mehrere Königinnen zusammen. Mit der Zeit setzt sich dann die stärkste Königin durch und vernichtet die Brut der anderen. Die unterlegenen Königinnen stellen das Legen ein und bleiben dem Staat als Arbeiterinnen erhalten. Die Arbeiterinnen unterscheiden sich bei den französischen Feldwespen auch kaum von den Königinnen, sie sind nur etwas kleiner.

Nach ein paar Stunden in der Sonne kam die Wespenkönigin doch noch auf Betriebstemperatur und flog davon. Für mich war das ein erster, erfreulicher Blick auf die wärmere Zeit des Jahres. Die friedliebenden Feldwespen gehören zum Sommer am Teich einfach dazu.

 

Speed Dating

Letzte Woche habe ich mich noch beschwert, dass die Frühlingsknotenblumen erst zögerlich die Blätter aus dem hart gefrorenen Boden strecken, weil in Südkärnten der Frühling immer ein paar Wochen später kommt als beispielsweise in Wien. Und plötzlich ist alles anders. Den Unterschied machen drei, vier sonnige Tage mit Windstille und Tageshöchsttemperaturen über 10 Grad.

Der Boden ist immer noch hart gefroren, denn die klaren Nächte waren frostig kalt. Die Blätter der Frühlingsknotenblumen sind auch noch nicht weiter gewachsen, maximal fünf Zentimeter ragen die Pflanzen aus dem Boden, aber sie haben den Auftrag der Sonne verstanden und erste Blüten hervor gebracht, wohl wissend, dass die Honigbienen bereits darauf warten.

Tatsächlich haben die ersten Bienen nicht auf das Öffnen der Blüten gewartet, sondern sind zwischen Blütenansatz und Hochblatt von oben in den Stängel gekrochen, um von dort ausdringende Pflanzensäfte abzusaugen. Es war wie ein hektisches Abtasten, bevor die Kälte noch einmal zurück kommt. Später, wenn die Frühlingsknotenblumen dann in voller Blüte stehen, werden die Pflanzen gut viermal so hoch sein, und die Bienen werden sich die Zeit nehmen, von unten in die geöffneten Glocken zu klettern, aber jetzt muss es erst einmal schnell gehen – Speed Dating halt.