Wolliges Schweben

Wollschweber Bombylius posticus

In einer früheren Fassung dieses Beitrags habe ich die Fotos irrtümlich dem Großen Wollschweber Bombylius major zugeordnet. Es handelt sich aber um den deutlich selteneren Bombylius posticus. Dank an Mike Jessat für den Hinweis.

Warum die Wollschweber jedes Jahr um dieselbe Zeit an derselben Stelle im Garten schweben, kann ich nur vermuten. Vielleicht signalisieren sie ihren Artgenossen, dass hier ein günstiger Platz wäre, sich zu vermehren. Warum ich jedes Jahr versuche, sie dabei zu fotografieren, kann ich nicht einmal vermuten, weil es die meiste Zeit sinnlos ist und nur Ausschuss und Frust vermehrt.

Die folgende Aufnahme ist eine Ausschnittvergrößerung, aber sonst bin ich zum ersten Mal halbwegs zufrieden:

Großer Wollschweber

Das rechte Bein hätte er nach hinten strecken können, wie er das normalerweise tut. So sieht es aus, als würde es fehlen, aber der bewegt sich halt manchmal ruckartig, und dann schleudert es ihm die Gliedmaßen zur Seite. Gegen das Wechselwirkungsgesetz kann er nichts.

Auf jede brauchbare Aufnahme kommt eine Vielzahl an Bildern, die Ausschuss sind. Besser ist es, man wartet eine Weile, denn auch der fleißigste Wollschweber hat irgendwann vom Schweben genug und muss sich stärken.

Wenn er mit seinem langen Rüssel Nektar schlürft, stützt sich der Wollschweber mit den Beinen ab. Die Flügel bleiben meist in Bewegung, um schnell wieder durchstarten zu können. Die ausgewachsenen Insekten sind Vegetarier, ihre Larven parasitieren aber Solitärbienen. Vor allem die bodenbrütenden Arten sind betroffen.

Man kann es auch so sehen: Wenn dieses schöne Insekt mich jedes Jahr mit seinem Schwebflug zum Fotografieren provoziert, dann ist das ein Hinweis, dass genug Wildbienen in der Umgebung vorhanden sind. Sonst würde der Wollschweber woanders schweben.

Sympathische Mücken

Kammschnake

Ich lese gerade das empfehlenswerte Buch „Vom Leben im Totholz“. Der durch die Krefeld Studie bekannt gewordene Entomologe Thomas Hörren widmet sich darin den Xylobionten, also jenen Arten, die in und von Holz leben. Dazu gehören auch die Kammschnaken – große und oft auffällig gemusterte Mücken, deren Larven sich in verrottendem Holz entwickeln. Ihr Auftreten gilt als Hinweis für strukturreiche Wälder, in denen nicht jeder abgestorbene Baum sofort entfernt wird.1

Anscheinend gefallen diesen Kammschnaken auch naturbelassene Gärten, denn während ich das Buch zur Seite lege und eine kleine Runde ums Haus mache, begegnet mir folgendes Prachtexemplar:

Das ist wahrscheinlich eine weibliche Ctenophora pectinicornis. Die Art ist so selten, dass sie nicht einmal einen deutschen Wikipedia-Eintrag hat, aber dafür einen bei Pflanzwas im Blog „Natur auf dem Balkon“. So klein ist die digitale Welt.

Die Imagos ernähren sich von Nektar und Honigtau, die Larven, wie gesagt, von Holzabfällen. Man kann also auch ganz ohne Blut eine stattliche, schöne Schnake werden. Sehr sympathisch.


  1. Thomas Hörren: Vom Leben im Totholz. Die verborgene Welt von Insekten und anderen Lebewesen. – Residenz Verlag 2025, S. 27f ↩︎

Ein Frühaufsteher

Maikäfer

Der folgende Käfer lag gestern, am 19. April, im Garten auf dem Rücken. Wir waren beide etwas verwirrt.

Einen Maikäfer habe ich hier noch nie gesehen, und Mitte April ist es für ihn wahrscheinlich auch etwas zu früh. Wenn er sich auf den Klimawandel verlassen hat, dann hat er sich dieses Jahr geirrt. Der Frühling war bislang nicht allzu warm, die Kirschblüte beginnt bei uns gerade erst, und von Mailuft sind wir noch etwas entfernt.

Von den drei Jahren, die so ein Tier lebt, verbringt es nur vier bis sechs Wochen als fertiges Insekt. In dieser Zeit muss es sich vermehren und vor Fressfeinden schützen, denn die großen Käfer sind ein beliebtes Futter. Man kann sie roh, kandiert und als Suppe genießen – oder man lässt sie den tierischen Abnehmern.

Die Maikäfer haben eine interessante Strategie gegen ihre Fressfeinde entwickelt: Sie treten periodisch in Massen auf. Das hat relativ lange gut funktioniert, bis das DDT entwickelt wurde. Ich vermute, die Suppe war nicht schmackhaft genug, sonst hätte man die Hauptzutat kaum vom Flugzeug aus mit Gift besprüht.

Das Einzelexemplar in unserem Garten wird aber hauptsächlich damit Probleme haben, einen Partner zu finden, denn viele Maikäfer gibt es in unserer Gegend wohl nicht.

Gemeinsame Ernte

Großer Kohlweißling Raupe

Fünf stattliche Brokkolipflanzen stehen bei uns noch im Beet in der Herbstsonne. Pro Woche ernten wir eine Schüssel Röschen, die herrlich schmecken und beim Kochen kaum Kohlgeruch entfalten, weil sie ganz frisch im Topf landen.

Auch der auf dem ersten Bild im Hintergrund platzierte Kohlrabi hat es bis zur Erntereife geschafft. Die in einem früheren Beitrag geschilderte Attacke durch Raupen des Kleinen Kohlweißlings haben die Pflanzen gut weggesteckt. Moderates Abklauben hat als kleine Hilfestellung gereicht.

Der Brokkoli beherbergt mittlerweile die größeren Kollegen. Im Gegensatz zu den einfärgig grünen Raupen des Kleinen Kohlweißlings ist die Larvenform des Großen Kohlweißlings gelb mit dunklen Flecken.

Das Abklauben spare ich mir in diesem Fall. Die Brokkolipflanzen sind groß genug, um die Schäden zu verkraften, und die Raupen interessieren sich hauptsächlich für die Blätter, während wir die jungen Blüten ernten.

Im Moment haben die zukünftigen Falter kaum Fressfeinde. Die Singvögel interessieren sich im Herbst weniger für Proteine und mehr für fettige Samen und Früchte. Damit kommen die Vögel gut genährt durch den Winter, und im nächsten Frühjahr werden sie die Nachkommen dieser Kohlweißlinggeneration als Wachstumsfutter an ihre Jungen verfüttern. Die Raupen, die jetzt noch auf unseren Gemüseresten unterwegs sind, überwintern wahrscheinlich als Puppe und bilden dann im nächsten Jahr die erste Generation der Schmetterlinge.

Die grüne Reiswanze

Grüne Reiswanze

Bislang waren einfärbig grüne Wanzen bei uns im Garten immer Stinkwanzen. Dieses Jahr haben sie eingewanderte Konkurrenz bekommen. Die invasive Grüne Reiswanze ist dabei von der einheimischen Grünen Stinkwanze kaum zu unterscheiden. Auf der folgenden Gegenüberstellung sieht man auf dem ersten Bild, dass die Reiswanze drei kleine weiße Punkte am vorderen Rand des Scutellums hat, die der Stinkwanze auf dem zweiten Bild fehlen.

Bei den ausgewachsenen Exemplaren sind diese drei Punkte oft das einzige Unterscheidungsmerkmal. Die restliche Färbung ist so variabel, dass man die beiden Arten leicht verwechseln kann.

Untrüglich ist aber die im Unschärfebereich des Makros kaum erkennbare Unterlage, auf der die Wanzen sitzen. Bei der heimischen Stinkwanze ist es ein harmloser Zweig, während die Reiswanze sich gerade an unserem Brokkoli gütlich tut. Der Zuwanderer aus Ostafrika ist ein Schädling und breitet sich vom Mittelmeerraum nach Norden aus. Das hat einerseits mit dem Klimawandel zu tun, der es der wärmeliebenden Art immer leichter macht, andererseits korreliert die Ausbreitung bei uns nicht zufällig mit dem verstärkten Anbau von Sojabohnen. Die Reiswanzen schädigen aber quer durch auch eine ganze Reihe anderer Gemüse- und Obstpflanzen.

Schön sind die verschiedenen Nymphenstadien. Hier sieht man die letzte Phase vor der Häutung zum fertigen Insekt. Aber bevor jetzt jemand angesichts der kunstvollen Zeichnung in Verzückung gerät: Auch diese Exemplare habe ich auf einer Brokkolipflanze entdeckt.

Die Grünen Reiswanzen waren bislang Einzelfunde, über Schäden am Gemüse kann ich mich deshalb noch nicht beschweren. Es gibt allerdings einen weiteren Unterschied zur Stinkwanze: Die Gelege sind deutlich größer, und die Reiswanze schafft bei günstigen Bedingungen bis zu vier Generationen pro Jahr, während sich die heimische Art auf einen Fortpfanzungszyklus beschränkt.