Nebelmorgen ohne Frühstück

Ich bin sicher, Spinnen hassen Herbstnebel. Wenn am Morgen alles darauf wartet, dass die Sonne die letzten Schwaden auftrocknet und wieder ein schöner Hochdrucktag beginnt, gibt es im Garten die schönsten Fotomotive. Überall in den Sträuchern, den Bäumen, am Teich und in den Wieseninseln hängen weißleuchtende Spinnweben. Ein Horror für jeden Arachnophobiker.

Wenn man genau schaut, kann man beobachten, dass all die kunstvoll gefertigten Fangvorrichtungen in diesem Zustand wertlos sind. Sie sind jetzt nicht nur sichtbar, sondern auch kaum klebrig, denn an der klebrigen Substanz haften ja die Tautropfen, und so können sich selbst kleinste Insekten mühelos aus der Falle befreien.

Aber Spinnen sind geduldige Wesen. Auf das Frühstück können sie verzichten, und in zwei, drei Stunden, wenn die Sonne die nächtlichen Feuchtigkeitsreste verdunsten hat lassen, sind die dekorativen Kunstwerke alle wieder verschwunden. Nur wenn man sich ihre Position gemerkt hat, sieht man sie noch, denn auf der Lauer liegen ihre Schöpfer natürlich immer noch. Nur die Netze sind jetzt wieder unsichtbar und funktionstüchtig.

Nicht immer sitzt in der gewebten Falle übrigens eine Spinne. Manchmal schützt das Netz auch nur die Nachkommen, wie man am Kokon der Wespenspinne auf dem letzten Bild erkennen kann.

10 Kommentare zu „Nebelmorgen ohne Frühstück

  1. Man muss einfach mehr Mitgefühl für die Spinnen haben – wer mag schon mit kalten, nassen Füssen so lange auf sein Frühstück warten, bis die Insekten endlich später bei erwärmten Tagestemperaturen wieder klebenbleiben können?
    Noch ist es ja Zeit bis Halloween, da kann man mit Glitzergarn noch schöne Nachbildungen solcher Netze häkeln!

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    1. Das stimmt. Die Spinnen können ihren Faden sogar recyclen, indem sie das Netz wieder auffressen. Nicht einmal näherungsweise ist unsere Technik so sparsam und nachhaltig wie die Natur.
      Liebe Grüße, Richard

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