Im Mulmloch

Blaumeisenkopf im Baum

Dass der Strauß den Kopf in den Sand steckt, ist genauso unwahr wie die Geschichte, dass Newton die Gravitation entdeckt hat, als ihm ein Apfel auf den Kopf fiel. Wahr ist vielmehr, dass Blaumeisen ihren Kopf in den Apfelbaum stecken und die Geschichte der Gravitation mehr mit Nüssen zu tun hat als mit Äpfeln. Nicht nur, dass der erste namenlose Physiker höchstwahrscheinlich die Erdanziehungskraft entdeckt hat, als ihm eine Kokosnuss auf den Kopf fiel, und er diese Erkenntnis nur deshalb nicht weitergeben konnte, weil er unmittelbar danach an den durchschlagenden Folgen dieser Einsicht verstorben ist, auch heute noch ist der Werdegang so einer Nuss geprägt von ihrem Verhältnis zur Gravitation.

Bei uns im Garten folgen die Walnüsse zunächst der Erdanziehungskraft auf ihrem Weg zu Boden. Um den Weitertransport in entgegengesetzter Richtung kümmern sich dann unter anderem Eichhörnchen und Eichelhäher, die man anscheinend vergessen hat, in Walnusshörnchen und -häher umzubenennen, als die Römer die Nussbäume in Mitteleuropa verbreiteten. Die Bezeichnung ihrer Beute ist da schon akkurater – Welschnuss hieß die Walnuss früher, weil sie eben von den Römern kommt.

Diese Beute wird dann herumgeschleppt, versteckt, gehortet und irgendwann auch verspeist. Normalerweise wird sie dabei in zwei Hälften geteilt, von denen man im Moment nur eine brauchen kann, weswegen die zweite wieder zu Boden fällt, wo sie schließlich für den Buntspecht interessant wird. Der schleppt sie zu seiner Schmiede, dem Mulmloch im Apfelbaum. Und da er beim Fressen eher schlampig ist, landen Teile der Nuss am Ende doch noch dort, wo – zumindest nach Meinung der Blaumeise – von Anfang an immer schon ihre höhere Bestimmung war, nämlich im Magen derselben.