Unser Feuerdorn verströmt im Moment unverkennbar den Duft von Mäusedreck. Beim Vorbeigehen atme ich flacher und beschleunige meinen Schritt. Die Bestäuber scheinen das anders wahrzunehmen. Der Geruch lockt sie zahlreich an. Ständig umschwirren sie den Strauch und weiden ihn ab. Vor allem den Hummeln hat es der Feuerdorn angetan. Im Moment sind die ersten Arbeiterinnen unterwegs – deutlich kleiner als ihre späteren Geschwister, weil die Königin sie noch eigenhändig aufgezogen hat und in dieser Phase das Nahrungsangebot begrenzt war.
Was aber, wenn der Geruch gar nicht zufällig entstanden ist? Hummeln nisten ja auch in alten Wühlmausnestern. Jedes Frühjahr suchen sie im Garten den Boden nach verlassenen Bauten ab. Sie müssen empfindliche Rezeptoren für diesen Duft besitzen, und während er mir auf die Dauer Kopfschmerzen verursacht, erzeugt er bei den Hummeln sicher ein angenehmes Wohlbefinden. Was gibt es Schöneres, als bei der mühsamen Arbeit an das wohlige Ambiente von zu Hause erinnert zu werden. Der eine stellt sich ein Foto seiner Liebsten auf den Schreibtisch, der andere hat es gern, wenn es am Arbeitsplatz riecht wie bei Muttern.
Bald werden die kleinen Hummeln sowieso im Nest verbleiben. Mit dem Futter, das sie gerade sammeln, lassen sich größere Arbeiterinnen heranziehen, die die Außeneinsätze übernehmen, während sich die kleineren um die Brutpflege kümmern. Diese Strategie erhöht nicht nur den Umkreis, in dem gesammelt werden kann, weil größere Exemplare halt weiter fliegen, die späteren Arbeiterinnen haben auch größere Augen und das bedeutet mehr Facetten. Jede von diesen nimmt einen Bildpunkt wahr und ihre Anzahl entspricht somit der Bildauflösung. Die Hummel kann damit die Blüte schon aus größerer Entfernung erkennen, und auch das trägt dazu bei, dass die Arbeitsleistung der größeren Artgenossen deutlich höher ist.




