Schiller, der Falter

Kleiner Schillerfalter

Vor ein paar Jahren setzte sich einmal ein Vogel neben mir ans Wasser, und als er den Schnabel öffnete, um zu trinken, dachte ich mir: So sieht also ein Kreuzschnabel aus. Es gibt Arten, die tragen ihren Namen so offensichtlich mit sich herum, dass man keine App braucht, um sie zu bestimmen. Ein gutes Beispiel ist da der Schillerfalter, der mir neulich auf einem Spaziergang im Prater begegnete.

Kleiner Schillerfalter

Die Farbe der Schmetterlingsflügel entsteht nicht durch Pigmente, sondern durch selektive Reflexion und Interferenz. Der Kleine Schillerfalter schickt dabei in verschiedene Richtungen unterschiedliche Farben, und so kann man sich aussuchen, wie er aussehen soll. Im richtigen Winkel leuchten all die sonst braunen Stellen blau.

Früher dachte ich viel zu kompliziert. Da nahm ich an, man hätte den Schmetterling nach Friedrich von Schiller benannt, aber das ist wahrscheinlich die Naivität des Germanisten. Dieser Falter trägt seinen Namen schlicht und einfach, weil er schillert. Ein paar Meter weiter entdeckte ich dann folgende Libelle:

Gemeine Winterlibelle

Eine Winterlibelle Mitten im August. Eigentlich schade. Ich dachte gerade, ich sei da etwas ganz Großem auf der Spur, und zwei Schritte weiter löst sich alles in Luft auf.

Ein hübsches Paar

Weibliche Blauflügel-Prachtlibelle

Das bevorzugte Laichgewässer von Blauflügel-Prachtlibellen sind Bachläufe. Sie bevorzugen kaltes, fließendes Wasser für ihre Larven. Zumindest steht das in der wissenschaftlichen Literatur. Tatsächlich beobachte ich die Tiere seit Jahren auch an unserem Gartenteich. Ihre schillernde Färbung und der schmetterlingshafte Flug machen sie unverkennbar.

Gestern fand ich sogar ein Pärchen nebeneinander auf den Brombeerblättern sitzen. Das Männchen in Blau zeigte noble Zurückhaltung und stürzte sich nicht, wie bei anderen Libellen üblich, sofort auf das braun-gold glänzende Weibchen.

Vielleicht suchen sie für die Fortpflanzung wirklich einen nahen Bach auf, aber eilig hatten sie es nicht, und so gelangen mir ein paar Porträtfotos aus der Nähe. Wenn man den flatternden Flug der Prachtlibellen sieht, würde man nicht glauben, dass man es hier mit Räubern zu tun hat, aber ein Blick von vorne zeigt die typischen Fresswerkzeuge der Libellen.

Biene auf Salbei

Holzbiene

Die Vielfalt der Fauna im Garten verdankt sich auch der Flora. Die Auswahl der Pflanzen besorgt dabei Mrs. Colombo gewissenhaft selbst. Sie liest sich aufmerksam durch alle Beschreibungen, orientiert sich an den Abbildungen – und ignoriert alle Zahlen, besonders die zur Wuchshöhe. Dass Muskatellersalbei auf Fotos eher zierlich aussieht, ist eine Täuschung. Die Blätter sind Handteller groß, und die Pflanze ist über einen Meter hoch. Da passt jetzt vielleicht die Kombination im Beet nicht mehr so, wie gedacht, aber die Fauna bereichert es trotzdem, denn manche Bienen sind ja auch größer als andere.

Seit Wochen blüht der Muskatellersalbei, und die Holzbienen haben ihre Freude daran. Bis zu drei Exemplare habe ich schon gleichzeitig beobachtet. Dem intensiven Duft, der der Pflanze auch ihren Namen gibt, können sie anscheinend nicht widerstehen. Der Fotograf wird da völlig ignoriert.

Beim Zusehen hat man irgendwie das Gefühl, dass sich hier zwei gefunden haben, und tatsächlich passt die Symbiose. Es gibt nicht viele Insekten, die den Muskatellersalbei bestäuben können, aber die Holzbiene ist durch ihre Größe dafür bestens geeignet.

Bis zur Unkenntlichkeit

Distelfalter

Manchmal sieht man einen Schmetterling im Garten, der so zerrupft und ausgebleicht ist, dass man die Art kaum noch erkennen kann. Bei diesem Distelfalter fehlt die Zeichnung fast gänzlich.

Welches Ereignis dieses Exemplar so gezeichnet hat, kann man nur raten. Als Wanderfalter hat er viele Möglichkeiten. Vielleicht ist er in ein Gewitter geraten. Hier zum Vergleich noch ein Distelfalter vom letzten Jahr mit vollständiger Zeichnung von der Unter- und Oberseite. Das letzte Bild zeigt einen leicht ramponierten Distelfalter aus dem Jahr 2018, gleichsam eine Zwischenstufe der beiden anderen.

Groß und prächtig

Der Große Kiefernprachtkäfer, auch Marienprachtkäfer, ist groß, prächtig und selten. Normalerweise muss man lange suchen, um so einen Käfer zu finden, und dann fällt es angeblich schwer, ihn zu fotografieren, weil er scheu ist und rasch weg fliegt.

Das hier gezeigte Exemplar saß um die Mittagszeit bei uns auf der Hausmauer und ließ sich geduldig ablichten. Die Larve des Käfers ernährt sich von abgestorbenen, alten Kiefern. Wie unser Freund in dieser Gegend das Kunststück fertig gebracht hat, so groß und prächtig zu werden, bleibt fraglich. Wald ist bei uns eigentlich ein Synonym für Fichtenplantage.