24 Köpfe in einer Wanne

Die lästigen Wegschnecken nehmen in unseren Gärten unter anderem auch deshalb überhand, weil wir ihnen ideale Bedingungen liefern: Wir lockern ihnen die Erde auf, damit sie leichter ablaichen können, und wir füttern sie, wo wir nur können.

24_koepfeDen Zugang zu schmackhafter Nahrung kann man ihnen erschweren, indem man Salat und andere empfindliche Pflanzen in geschützten Hochbeeten anbaut. Der Kauf eines handelsüblichen Hochbeets amortisiert sich meist erst in einer der übernächsten Generationen, deshalb empfiehlt sich, dafür einen alten Bottich oder ein großes Gefäß zu verwenden, das sonst im Sperrmüll landen würde.

Unsere alte Standbadewanne war in mehrerlei Hinsicht praktisch. Der überstehende Rand ist für die Schnecken eine zusätzliche Kletterbarriere, und ein geeigneter Abfluss zur Vermeidung von Staunässe ist auch vorhanden. Diesen schützt man gegen Wühlmäuse mit einem Gitterrest. Anschließend schlichtet man ein paar große Steine hinein, um eine kleine Drainage zu schaffen. Auf diese kommen klein geschnittene Äste und eine Schicht Laub oder Rasenmulch. Diese Unterlage deckt man mit einer Mischung aus Erde und Kompost ab.

Im Laufe des Jahres sinkt die Füllung etwas ein. Die Differenz füllt man vor der nächsten Saison wieder mit Komposterde auf. Hochbeete stehen meist etwas exponiert, das heißt, sie sind im Winter verstärkt dem Frost ausgesetzt. Für Wintersalate eignen sie sich also weniger. Diese kann man beruhigt in normalen Beeten ziehen, weil die Schnecken im Winter keine Gefahr darstellen.

Das Foto ist übrigens vom letzten Jahr. So schön in Reih und Glied steht der Salat heute nicht mehr. Die setze ich mittlerweile gestaffelt. Wer will schon haben, dass 24 Salatköpfe gleichzeitig reifen.

Das Leben unter der Erde

Wer nicht alles im Garten dem Zufall überlassen und an manchen Stellen auch sein eigenes Gemüse anbauen möchte, muss hie und da Erde bewegen. Das eine oder andere Beet will umgestochen werden, der Kompost muss aufgetragen oder die Kartoffeln angehäuft werden. Es ist jedesmal ein kleines Drama mit Spaten und Schaufel.

In einer Ecke unseres Gartens ist ein Erdhaufen, auf dem auch Äste und Pflanzenteile landen. Ich nehme mir immer wieder vor, Teile davon abzutragen, aber er wird eher größer als kleiner. Kaum habe ich eine Schaufel voll Erde hochgehoben, schaut mich irgend etwas an. Und damit meine ich nicht nur die unausweichlichen Regenwürmer, die im Laufe der Evolution ihre unglaubliche Regenerationsfähigkeit entwickelt haben, um später dagegen gerüstet zu sein, dass sie von Schaufeln zweigeteilt werden. Es sind nicht nur die Hunderfüßer, Asseln und Insekten, die überall herumkriechen. Einmal habe ich mit der Arbeit sofort wieder aufgehört, weil mich eine Erdkröte vorwurfsvoll anstarrte. Und dann sind da noch die pelzigen Erdbienen, die mich im Frühjahr immer umkreisen, sobald ich eine Schaufel in die Hand nehme. Mir ist nie ganz klar, ob sie sich über die aufgelockerte Erde freuen, weil sie darin ihre Brutbauten anlegen können, oder ob sie verzweifelt nach bereits angelegten Bauten suchen, die ich ihnen gerade abgedeckt habe.

Fest steht jedenfalls, dass unter der Erde mindestens genauso viel lebt wie auf ihr und dass uns das in den seltensten Fällen bewusst ist. Wir legen uns „unter“ einen Baum in den Schatten und ruhen doch auf einem Wurzelballen, der vielleicht so groß ist wie die Krone über uns. Wir sprechen von Erdoberfläche und meinen die Trennlinie zwischen oben und unten, dabei hat jedes Erdkorn eine eigene Oberfläche und auf jedem Quadratmillimeter sitzt unter uns eine Unzahl von Bakterien und Mikroorganismen, die permanent Biomasse abbauen, um über der Erde Leben zu ermöglichen. Es ist ein riesiges Filtersubstrat, das darauf spezialisiert ist, unseren Dreck zu verarbeiten, und es ist gut möglich, dass unter der Erde mehr lebt als über ihr.

Letzte Woche habe ich im Garten eine Blindschleiche gesehen. Die erste seit Jahrzehnten. Neugierig habe ich recherchiert, wovon sie sich ernährt: Regenwürmer. Diese Vorliebe teilt sie sich mit Igeln, Maulwürfen, Kröten, Fröschen, Vögeln und vielen anderen. Es ist unglaublich, wie viel unter der Erde lebt und wie viel von dem lebt, was unter der Erde lebt. Und es ist genauso unglaublich, wie nachlässig wir mit diesen Erdbewohnern umgehen. Wir kippen haufenweise Gülle, Dünger und Pestizide über unsere Felder und denken, es wird schon passen. Solange oben der Mais nur möglichst schnell in die Höhe schießt, muss ja alles richtig sein.

Kartoffelbeet

Mag sein, dass ich beim Anhäufeln meiner Kartoffel den einen oder anderen Regenwurm zerkleinert und die Brutplätze der Erdbienen durcheinander gebracht habe. Mag auch sein, dass an der Stelle, wo unsere Gemüsebeete sind, genauso gut Raupenfutterpflanzen und eine Blumenwiese für Wildbienen gedeihen könnten. Fix ist aber auch, dass in einem Garten diese Dinge viel kleinteiliger passieren als beim Landwirt auf dem Feld. Ein Kartoffelfeld ist eine großflächige Monokultur, ein Gemüsegarten ist nur ein flächenmäßig kleiner Teil, der manchmal sogar die Biodiversität insgesamt erhöht. Und das merkt man am Ergebnis. Mit ein bisschen Kompost und Erfahrung wächst eigentlich alles von selbst, ganz ohne zusätzlichen Dünger und Chemie.

Vieles von dem, was in unserem Garten wächst, tut dies mit der Hilfe unserer  unterirdischen Gartenbewohner. Aber auch diese profitieren von dem, was wir hier heroben machen. Nirgends in unserem Garten ist so viel Leben unter der Erde wie auf dem Komposthaufen. Die Würmer mögen nämlich in Wirklichkeit unseren Dreck, aber es kommt wie immer auf die richtige Dosis an.

Schneckenfrost

Wir schreiben den 24. März, über Nacht hat es wieder gefroren, auf dem Teich liegt eine dicke Eisschicht und der Boden ist immer noch pickelhart. Das geht jetzt seit Ende Oktober so. Dieser Winter war ungewöhnlich lang, schneereiche und vergleichsweise kalt.

Im Frühjahr zählt diese Witterung nicht zu den großen Freuden des Gärtners. Dabei nimmt sie uns eines der lästigsten Probleme ab. Speziell für die gefräßigen Wegschnecken sind Winter, in denen der Boden tief und lang gefroren ist, oft tödlich. Und der Effekt hält meist ein Jahr.

Wir können das Wetter nicht beeinflussen, aber wir können uns darauf einstellen. In einem Frühling wie diesem muss man nicht jede empfindliche Pflanze im Topf vorziehen, und man kann wagen, die eine oder andere Reihe Salat am Boden und nicht im Hochbeet anzusetzen.