Der folgende Beitrag ist leicht makaber und vielleicht nicht als Begleitlektüre zum Frühstück gedacht, aber der Gartenfund ist meiner Meinung nach interessant genug, um ihn trotzdem zu zeigen.
Das erste Foto einer Blindschleiche habe ich ziemlich genau vor fünf Jahren gemacht. Es wird den Preis für das Naturfoto des Jahres wohl eher nicht gewinnen:

Ich war zu langsam. Trotzdem sieht man auf dem Bild alles, was es zur Artbestimmung braucht. Das Exemplar hatte kurz vorher offensichtlich seinen Schwanz abgeworfen, um sich vor einem Fressfeind zu schützen. Wegen dieser Fähigkeit gab Karl von Linné der Blindschleiche die wissenschaftliche Bezeichnung Anguis fragilis, zerbrechliche Schlange.
Letzte Woche stolperte ich im Garten über etwas, das ich zunächst für einen Regenwurm hielt. Bei näherer Betrachtung war es schuppig und behielt beim Umdrehen starr seine Krümmung.

Ich hatte das zweite Ende einer Blindschleiche gefunden, und beim Durchsehen meiner Bildersammlung musste ich feststellen, dass ich diesen Teil des Reptils zum ersten Mal in unserem Garten sah. Im Gegensatz zu anderen Echsen können Blindschleichen das abgeworfene Ende nie vollständig nachbilden. Die wenigen Aufnahmen, die ich bisher gemacht habe, zeigen immer so ein stumpfes Schwanzende.

Die Blindschleichen sind bei uns scheu, und ich denke, das ist eine sehr vernünftige Verhaltensweise. Irgendwann begegnet ihnen immer eine streunende Katze oder ein größerer Vogel, und dann müssen sie diese Verteidigungsmethode einsetzen, von der sie vielleicht nicht wissen, dass sie ihnen nur einmal zur Verfügung steht.