Spectolar: Überblick

Spectolar ist eine Software für automatische Fotografie – vergleichbar mit der Funktionalität von Wildtierkameras. Das Programm registriert Bewegungen über die Webcam und löst dann die mit Kabel verbundene DSLR Kamera aus. Spectolar ist in Python für Linux geschrieben und verwendet wxPython, openCV und gphoto2. Sie können das Debian-Package oder den Source-Code als ZIP archiv downloaden.

Das Programm steht unter der GNU General Public License zur Verfügung und kann beliebig verwendet und weiterentwickelt werden. Der Programmierer übernimmt keine Haftung, die durch die Verwendung dieses Programms entstehen.

Benötigte Hardware

Für die minimale Verwendung und zu Testzwecken reicht ein Computer mit einer Debian-Distribution (getestet auf Ubuntu 20.04) und eine Web-Kamera. BIlder, die über Webcam aufgenommen werden, sind oft von schlechter Qualität und folglich eher zur Dokumentation von Sichtungen etc. Die empfohlene Hardware-Ausrüstung besteht aus einer Webcam und einer professionellen Spiegelreflexkamera, wie im folgenden dargestellt:

Spectolar verwendet gphoto2, um mit der DSLR-Kamera zu kommunizieren. Für eine Liste der in Frage kommenden Kameras, die über Kabel kontrolliert werden können, sehen Sie bitte in der gphoto2-Dokumentation nach oder tippen Sie ‚gphoto2 –list-cameras‘ in ein Terminal.

Installation

Für die Standard-Installation laden Sie das Debian-Packet herunter, entpacken Sie die ZIP-Datei und öffnen sie die enthaltene .deb-Datei mit dem Software-Installationsprogramm. Spectolar hängt von folgenden Paketen ab: python3-wxgtk4.0, python3-opencv und gphoto2. Auf Ubuntu 20.04 oder ähnlichen Distributionen werden diese Packete automatisch installiert. Anschließend können Sie die Software wie gewohnt aus der Anwendungsliste heraus starten oder über das Terminal und die Eingabe von ’spectolar‘.

Betrieb

Für die Vorschau des Webcam-Bildes klicken Sie auf den ersten Button in der Symbolleiste. Diese Vorschau hilft bei der Adjustierung der Webcam. Anschließend starten Sie den Aufnahmemodus durch Klick auf den ‚Fotos‘-Button. Vergewissern Sie sich, dass die Digitalkamera angesteckt aber nicht eingehängt ist (Aushängen über Rechtsklick auf das Kamerasymbol). Für die meisten Kameras ist es wichtig, den Standby-Modus auszuschalten. Setzen Sie die Ausschaltzeit auf den höchsten möglichen Wert. Ich habe das Programm mit einer Nikon Coolpix P900 und einer Canon EOS 2000D getestet. Die Nikon P900 it eine Bridgekamera und kann ausgeschaltet bleiben, gphoto2 wird sie aufdrehen. Die EOS 2000D muss man einschalten und Ausschalten und Autofokus deaktivieren. Bei Problemen mit der Kamera probieren Sie am besten gphoto2 über die Befehlszeile Ihres Terminals.

Einstellungen

Wenn Sie auf den Button ‚Einstellungen‘ klicken, bekommen Sie ein Fenster mit den zwei Reitern ‚Allgemein‘ und ‚Erweitert‘. Hier können Sie den Pfad festlegen, wo Ihre Bilddateien gespeichert werden sollen. Außerdem gibt es einen Schieber für den Schwellwert, ab dem eine Aufnahme ausgelöst wird. Ein höherer Wert bedeutet, dass mehr Bewegung notwendig ist, bevor ein Bild gespeichert wird. Zusätzlich können Sie die Webcam wählen, die Bilderzahl pro Serie und die Pausen zwischen den Bildern und nach der Serie.

Der zweite Reiter enthält Felder für die Bilderrate (FPS), die von der Webcam gelesen wird, die Verzögerung für das Rücksetzen mit dem Befehl ‚gphoto2 –reset‘ (0 für kein Reset) und die Option für die Messfelder. Wenn man hier ‚3 x 3‘ auswählt, wird das Vorschau-Bild von der Webcam aufgeteilt wie unten dargestellt. Jede Bewegung über dem Schwellenwert, die in einem dieser Felder stattfindet, löst ein Bild aus.

Für Testzwecke können Sie im Reiter ‚Erweitert‘ auch den Modus ‚Webcam / Webcam‘ auswählen. Mit dieser Option brauchen Sie keine Spiegelreflexkamera und das Programm speichert stattdessen die Webcam-Vorschau im Bildverzeichnis. Es wird dringend empfohlen, mit den Einstellungen für die Bilddimensionen vorsichtig umzugehen. Lassen Sie diese bei 0, um die Default-Einstellungen der Webcam zu verwenden. Falsche Auflösungen können das Programm zum Absturz bringen!

Die Einstellungen werden in einer Textdatei mit dem Namen ‚.Spectolar‘ in Ihrem persönlichen Datenverzeichnis gespeichert. Sie können diese Datei mit einem Editor bearbeiten oder löschen, um die Standard-Einstellungen wiederherzustellen.

Kontakt und Download-Link

Für Bug-Reports kontaktieren Sie mich bitte per E-Mail: richard.rode@univie.ac.at.

Debian-Paket: https://unsertiergarten.files.wordpress.com/2021/01/spectolar.zip
Quelltext: https://unsertiergarten.files.wordpress.com/2021/01/spectolar-src.zip

Eine englische Fassung dieser Anleitung steht unter: https://tiergarten.blog/spectolar-overview.